Über Uns

Die Chaotenbänd

Nein, wir sind keine G8- Gipfelstürmer, bewaffnet mit Pflastersteinen und Stromgitarren, sondern ein durch und durch friedlicher Haufen Musiker.

Doch am Anfang war das Chaos! Die Stunde 0! Und davor? Februar 1983!

 

Ein Fasentsmärchen

Damals, fast am Ende eines längst vergangenen Jahrtausends, quälte sich ein närrischer Lindwurm durch die beschaulichen Gassen des noch beschaulicheren Städtchens Oberkirch am Fuße des Schwarzwaldes. Mitten drin in diesem gar lustigen Getümmel tummelte sich die Trachtenkapelle aus dem nahegelegenen, nicht minder beschaulichen Butschbach- Hesselbach. Nicht genug damit, dass sich die Musiker auf der 1,5 Km langen Umzugsstrecke musikalisch zu verausgaben hatten, nein im Anschluss daran war noch ein Unterhaltungskonzert im besten Hotel am Platze vorgesehen. Ausgelaugt betraten die 40 Musiker das Feld der bevorstehenden Schande und stellten freudig fest: Es saß schon eine Musikkapelle auf der Bühne die sich dort nach Leibeskräften abmühte. Mit gespieltem Zorn stürmte der Vereinsvorstand zur Theke und entrüstete sich dort ordnungsgemäß bei der Wirtin über diese Schmach und konnte damit eine Runde Freibier herausschinden.

 

Die glorreichen 7

Doch 7 waren gut für einen Streich. Nach dem die Wirkung des Bieres nachließ überfiel die 7 Badener eine panische Angst innerlich auszutrocknen. Spontan beschloss der durstige Haufen auf eigene Faust loszuziehen und die anderen Kneipen in Oberkirch ordentlich zu "rocken". Im Hinterkopf natürlich immer eine Runde Freibier als Gage.

Kurzerhand wurde eine Verkleidung ersonnen. Jeder zog an, was im gefiel. Bald zogen die glorreichen 7 in Shorts über langen Unterhosen und bunten Hemden durch die Straßen. Gespielt wurde was eben so ging. Humba Tätatarä, Jesses nei und diverses Schunkelzeug waren die Hits der ersten Stunde. Die Besetzung bestand aus Trommel, Becken, Horn, Bariton, Flügelhorn und Trompeten. Und genau so hörte es sich auch an. Die Zuschauer waren einhellig der Meinung dass das gesehene und gehörte doch recht chaotisch war. Somit war schon am ersten Abend der Bändgeschichte ein Name gefunden. Die Rechnung mit dem Freibier ging im Übrigen auch auf. Wohin die Chaotenbänd an diesem Abend auch kam, überall floss das Bier in Strömen. Wer trinkt, kann ja schließlich nicht spielen.

 

Welteroberungsfantasien

Im Jahr darauf beschloss man die gesamte Fasnachtskampagne über aktiv zu sein. Man war sogar bereit im Vorfeld dafür zu proben und sich passende Arrangements zu beschaffen. Außerdem wurde die Mannschaftsstärke aufgestockt. Zu den 7 Plagen gesellten sich 2 glorreiche Halunken und so waren es alle Neune. Die Auftritte beschränkten sich nach wie vor auf Oberkirch. Doch schon 1985 schwoll das Chaotische Orchester an zum dreckigen Dutzend. Man war bereit, die Welt musikalisch zu erobern. Auswärtsauftritte in namhaften Städten wie Lautenbach, Appenweier und Nussbach füllten den fasentlichen Terminkalender.


Einfache Rechnung

In den folgenden Jahren war der Ansturm neuer Mitglieder kaum zu bremsen. Bei Präsident Stefan "Stinker" Müller schrillten die Alarmglocken. Eine Regelung bezüglich der Mitgliederzahl musste her. In einer Probe wurde festgelegt: 20 aktive Musiker benötigen bei Auswärtsauftritten 5 Fahrzeuge.

5 Fahrzeuge = 5 Fahrer, Rest 15.

2 Kisten Rothaus als Gage = 48 Flaschen  Tannenzäpfle á 0,33 Ltr.

48 x 0,33 Ltr. = 15,84 Ltr.

15,84 Ltr. : 15 Musiker  = 1,056 Ltr. pro Person.

Dies wurde allgemein als unterste Gagen Vertilgungsmenge angesehen. Somit wurde die Orchesterstärke für den Rest der Ewigkeit auf max. 20 Personen festgesetzt. Außerdem war jedem klar, dass man in dieser Besetzung einerseits eine Halle zum kochen bringen konnte, andererseits man sich auch in kleinere Schuppen hineinquetschen konnte, selbst wenn dort kaum noch Platz war für eine zusätzliche Bratwurst.

 

Vom Humba zum Jazz

Die Jahre vergingen. 10 gingen, 10 kamen, 10 blieben. Man arbeitete fleißig am Niveau der Klamotten. Schweren Herzens verabschiedete man sich von den liebgewonnenen langen Unterhosen. An ihre Stelle traten Schlaghosen, Cowboykluften, Anzüge oder schlichte Reizwäsche. Auch musikalisch ging es bergauf. Statt der alten Heckenfestmugge schwenkte man um ins Bigbändlager. Im Marschheft (Ja, wir spielen tatsächlich nach Noten) fanden sich nun neben Speedmärschen, Trashpolkas und aufgemotzten Schlagern auch Dixie, Pop Rock und Rock´n Roll. Aus der Besetzung Trompeten, Tenorhörner, Posaunen, Saxophone, Tuben, großen Trommeln und kleinen Schlagzeugen wurde in über 22 Jahren mühevoller Kleinarbeit ein Sound den man als progressiven Voralpenjazz aus dem Schwarzwald bezeichnen kann geformt.

 

In den Wechseljahren

Mit dem immer wieder neu ergänzten Programm erweiterte sich auch der Aktionsradius der Chaotenbänd. Seit geraumer Zeit ist man weder zwischen Basel und Jena, noch in Frankreich oder Belgien vor ihr sicher.

2005 wurde das 22 jährige Jubiläum gefeiert. In diesem Jahr übergab der Präsi Stefan "Stinker" Müller den Taktstock (von außen ähnelt dieser stark einer Trillerpfeife) an Joachim "d´Kimmig" Kimmig und verschwand. Mit ihm auch die Reizwäsche. Der neue musikalische Leiter leidet seither an der Chaotenbänd. Doch obwohl besser gekleidet, macht er dies nicht schlechter.